Pater Christoph 2004 während der 100-Jahr-Feier der Franziskaner im Nikolaus Groß Abendgymnasium

† Pater Christoph Höttges

Bild oben: Pater Christoph 2004 während der 100-Jahr-Feier der Franziskaner im Nikolaus Groß Abendgymnasium

Gemeinsam mit der Pfarrgemeinde Heilig Kreuz und mit den Menschen im Südostviertel trauert die Schulgemeinde des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums um Pfarrer Christoph Höttges, der am Dienstag, dem 2. November 2010 im Alter von 74 Jahren verstorben ist. Pater Christoph war einer von uns – nicht nur, weil er sein Abitur an einer Schule des zweiten Bildungsweges gemacht hat, sondern vor allem deshalb, weil er allen Menschen in diesem Stadtteil ein guter Hirte war. Sein Engagement ging weit über die katholischen Pfarrgemeinde hinaus. Er war für alle Menschen in unserem Stadtteil da. Mit vielfältigen sozialen Initiativen von der Suppenküche über die Kleiderkammer und die Einrichtung des Hauses Storp für die Kinder und Jugendlichen in diesem Stadtteil hat er der katholischen Soziallehre ein personales und unverwechselbares Gesicht gegeben. Über Integration und über interreligiösen Dialog hat er nicht nur gesprochen, er hat ihn praktiziert und Maßstäbe gesetzt.

Als Streetworker Jesu Christi hat er alle Verbände, Schulen und andere Einrichtungen in diesem Stadtteil zu einer bundesweit beachteten Stadtteilinitiative zusammengeführt und damit zum friedlichen Ausgleich unterschiedlicher Interessen beigetragen.

Mit Herrn Pater Christoph ist ein guter Freund und Nachbar unserer Schule von uns gegangen. Er wird uns sehr fehlen.

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Wir werden ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren und seiner im Schulgottesdienst am 11.November 2010 gedenken.

Pater Christoph 2004 während der 100-Jahr-Feier der Franziskaner im Nikolaus Groß Abendgymnasium

100 Jahre Franziskaner in Essen

100 Jahre Franziskaner in Essen – man muss sie erleben!

„100 Jahre Franziskaner auf dem Steeler Berg“: unter diesem Leitwort stand die große Feier der Essener Niederlassung des Ordens am Sonntag im Nikolaus-Groß-Abendgymnasium. Nach einem feierlichen Gottesdienst in der Kirche Heilig Kreuz versammelte sich die Festgemeinde in der Aula des Abendgymnasiums.

Zu den zahlreichen Gästen der Feier am 2. Mai gehörten der Ruhrbischof Dr. Felix Genn, Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Reiniger, der Vorsitzende der Allbau Wohnungsbaugesellschaft, Herr Dr. Goldmann, der Leiter des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums, Herr Bernhard Nadorf und der frühere Schulleiter des Abendgymnasiums und heutige Vorsitzende des christlich-islamischen Vereins in Essen, Herr Horst Graebe. Auch konnte Pater Christoph Höttges zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Verbände und Organisationen begrüßen, so zum Beispiel die Franziskanischen Schwestern, Vertreterinnen des Stadtverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, Vertreter des Dekanates und des Stadtrates, Mitglieder der Bezirksvertretung und der Bürgerinitiative Südostviertel, der Stadtteilkonferenz und der Schulen, Vertreter der evangelischen Kirche, Christen aus dem Irak, Mitglieder des libanesischen Zedernvereins, des islamischen Vereins im Südostviertel und viele andere mehr. Das breite Spektrum der Gäste zeigt die vielseitige Arbeit und breitgefächerte Vernetzung der Franziskaner in diesem Essener Stadtteil.

 

In seiner Begrüßung machte Pater Christoph darauf aufmerksam, dass noch ein anderer „Verein“ in diesen Tagen sein 100jähriges Bestehen feiert. Er zitierte aus der Lokalzeit Ruhr vom 30. April, 100 Jahre Schalke: „Schalke kann man nicht erklären, Schalke muss man erleben!“ – Und er wandelte das Zitat zur Freude der Festversammlung ab: Die Franziskaner in Essen kann man nicht erklären…

Der beliebte Pater lebt seit 16 Jahren im Pfarrkloster an der Franziskanerstrasse und ist sehr aktiv in seinem Stadtteil. So hat er als Mitglied der Bürgerinitiative maßgeblich zum Zustandekommen der Stadtteilkonferenz beigetragen. Seine besondere Fürsorge gilt den Armen und gesellschaftlichen Außenseitern im Südostviertel. Die Franziskaner in der Pfarrgemeinde Heilig Kreuz erfüllen ihren sozialen Auftrag in enger Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative, dem Jugendamt der Stadt Essen, der Caritas und der Allbau Wohnungsgesellschaft.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt des „Networkers Pater Christoph“ (so Oberbürgermeister Dr. Reiniger) ist der interkulturelle und interreligiöse Dialog. So teilt die Franziskanergemeinde ihre Kirche mit den Chaldäischen Christen; auch die spanischen Christen feiern in der Kirche ihre „großen“ Gottesdienste. Gemeinsam mit dem Islamischen Verein und dem libanesischen Zedernverein bemüht sich Pater Christoph ganz besonders um ein gutes Zusammenleben mit den islamischen Bürgern in diesem Stadtteil. Auch diese Gruppen gehörten zu den Gratulanten der Franziskanergemeinde an diesem Festtag.

 

In einem eindrucksvollen Rückblick auf die 100jährige Geschichte wurde auch an die Arbeit der Vorgänger von Pater Christoph Höttges erinnert. So zum Beispiel an Pater Hildebrandt Phasen, Kaplan und später auch Pfarrer in der Gemeinde, der in der Reichskristallnacht am 9. November 1938 in Kutte den jüdischen Mitbürgern zur Hilfe eilte. Oder an Pater Walter, der nach dem Krieg die „Heimstatt“ – das Gebäude des heutigen Pfarrzentrums – errichten ließ, um in dieser schwierigen Zeit Jugendlichen, die aus dem Krieg kamen und keine Heimat fanden, ein neues Zuhause zu geben. Auch Pater Walter gehörte zu den Festgästen.

 

Das Kloster des Ordens stand bis 1967 in der heutigen Franziskanerstraße. Danach musste es auf Grund baulicher Mängel abgerissen und durch das jetzige Pfarrkloster ersetzt werden. Auf dem Gelände entstand im Jahre 1973 das neue Gebäude des Bischöflichen Abendgymnasiums, das seit 1995 den Namen des Seligen Nikolaus Groß trägt. Das Franziskanerkloster in der Friedrich-Ebert-Straße (Neugründung durch das Bistum im Jahre 1966) – mitten in der Essener Innenstadt – zeigte die Offenheit des Ordens, der ganz im Sinne des Heiligen Franziskus mitten unter den Menschen und immer für den Menschen in der Stadt da sein sollte. Ein großer Wandbehang aus diesem Kloster, das im Jahre 1990 geschlossen wurde, war zum Festtag in die Aula des Abendgymnasiums gebracht worden.

Auch die Gestaltung der Weihnachtskrippe zeigt das soziale Engagement der Pfarrgemeinde Heilig Kreuz. Seit 1989 wird jedes Jahr zu Weihnachten die aktuelle Not verschiedener konkreter Menschengruppen durch die Krippenaktionen gelindert. So zum Beispiel 1996, als durch die Aktion „Gemeinsam gegen Kälte für Obdachlose“ die Suppenküche im Hauptbahnhof aktiv unterstützt wurde (mit Geld- und Zeitspenden).

 

Für die langjährige Seelsorge in beiden Klöstern und für ihr durchgehendes Engagement in diesem Stadtteil dankte Bischof Felix Genn dem „Franziskanischen Urgestein“ Pater Christoph. Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger gratulierte ebenfalls und würdigte die Franziskaner als ein „Stück Stadtgeschichte“, die durch ihre Vernetzung von Menschen aus dem „Nebeneinander“ ein „Miteinander“ geschaffen haben. Sowohl der Ruhrbischof wie auch der Oberbürgermeister der Stadt brachten in einem persönlichen Appell an den neuen Provinzial des Ordens ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass die Franziskaner auch in Zukunft ihre segensreiche Tätigkeit in diesem Stadtteil fortführen werden.

 

Pater Christoph schloss den offiziellen Teil der Veranstaltung mit einem Dank an alle, die sich an der Vorbereitung und Durchführung des Festtages beteiligt hatten und mit der Einladung, „sich über die Schnittchen herzumachen, die morgens liebevoll von ‚Tausenden von Händen‘ zurecht gemacht wurden…“. Die Franziskaner in Essen, man kann sie eben nicht erklären. Man muss sie erleben.

Seelsorge im Wandel der Zeit

100 Jahre Franziskaner auf dem „Steeler Berg“

Halb zehn vormittags in Heilig Kreuz, die Lichter in der Kirche gehen aus. Der Gottesdienst ist vorbei und aus der Sakristei kommt Pater Christoph Höttges. Ein weisser Vollbart verdeckt das halbe Gesicht des Franziskanerpaters, der seit 16 Jahren Pfarrer in Essen ist. Seine blauen Augen leuchten, als er sein Büro betritt. Notizen, Briefe und Broschüren lassen das Büro beinahe platzen. „Bitte entschuldigen sie das Chaos. Hier ist erst vor kurzem eingebrochen worden.“ Mitten im Chaos liegt ein Schatz: Die Chronik der Essener Franziskaner.

Die Chronik weiss viel zu berichten – immerhin feiern die Franziskaner in diesen Tagen den 100. Geburtstag ihrer Niederlassung in Essen. Am 1. Mai 1904 bezogen die ersten franziskanischen Brüder das neu gegründete Kloster im Essener Südost-Viertel. Damals waren es vier Patres, die den Anfang wagten. Gesandt hatte sie der damalige Provinzial der Kölnschen Provinz, zu der das Essener Haus bis heute gehört. Seelsorge stand dabei von Anfang an im Mittelpunkt der Arbeit vor Ort. Betreut wurden vor allem polnische Gastarbeiter, bevor 1931 die eigene Pfarrei Heilig Kreuz errichtet wurde, die seitdem durchgehend von franziskanischen Pfarrern geleitet wird. Auch den zweiten Weltkrieg haben der Konvent und die Kirche überstanden. Weil die Bombenschäden vergleichsweise gering waren, konnte die Kirche in dieser schweren Zeit vielen Menschen ein Dach über dem Kopf geben.

1967 mussten die Franziskaner allerdings das eigene Domizil an Heilig Kreuz verlassen, weil mittlerweile das alte Kloster baufällig geworden war. Für 25 Jahre bezog die Gemeinschaft ein ehemaliges Kino an der Friedrich-Ebert-Straße. Das ehemalige Filmtheater war auch der erste Ort, an dem Pater Christoph lebte, als er 1988 nach Essen kam. Hier wurde eine Beichtkapelle besonderer Art geschaffen. „Die ehemalige Leinwand in der Kapelle war schon einzigartig“, weiss Pater Christoph zu berichten. 1991 war dann aber Schluß mit Beichte im Kinosaal und es ging zurück an alte Stelle. Auf dem Gelände des alten Klosters war inzwischen das Bischöfliche Abendgymnasium Nikolaus Groß errichtet worden, aber zwischen Kirche und Schule steht heute ein Gebäude mit großem Schild, das jeder von der Straße sieht: Das „Pfarrkloster“.

Im Pfarrkloster bündelt sich das Leben von Pfarre und Kloster, was in Heilig Kreuz nicht mehr zu trennen ist. Hier wohnt Pater Christoph als mittlerweile einziger Essener Franziskaner und hier engagiert er sich mutig in der Gemeindearbeit. Und nicht nur das: „Ich habe gelernt, mich über den Rand der Gemeinde hinauszulehnen.“

Konkret meint er damit seine eigene Mitarbeit in der Stadtteilkonferenz, die er auch moderiert, sowie seinen Einsatz bei einer Bürgerinitiative vor Ort, die versucht, die im Stadtteil lebenden Ausländer zu integrieren. Auch beim zweimal wöchentlichen Mittagstisch im Pfarrheim hat Pater Christoph alle Hebel in Bewegung gesetzt und mittlerweile arbeitet die Pfarre mit Caritas und der Essener Tafel zusammen. Nicht nur darum beschreibt der Pfarrer seine Gemeinde auch als „großes Ganzes“.

Deutlich wird die Offenheit des Franziskanerpaters und der Gemeinde auch in der Zusammenarbeit mit Christen aus dem Irak, den sogenannten Chaldäern. Ihre Essener Gemeinschaft ist die zweitgrößte in Deutschland und wächst stetig weiter. Sie brauchten daher ein Gotteshaus und haben mit der Gemeinde von Heilig Kreuz Menschen gefunden, die ihr Gotteshaus gerne regelmässig teilen. Hier sieht Pater Christoph auch Chancen für die Zukunft. Der Patriarch der Chaldäer in Bagdad schicke regelmässig Theologie-Studenten zur Ausbildung nach Deutschland. Zur Aufnahme dieser jungen Männer sei Heilig Kreuz mit seiner franziskanischen Struktur bestens geeignet.

Bei allen Aufgaben darf Pater Christoph einen Termin nicht vergessen: Am Sonntag, 2. Mai, kommt der Essener Bischof Dr. Felix Genn, um zum 100. Jubiläum einen feierlichen Gottesdienst zu feiern. Fest zugesagt haben für diesen Tag auch der Essener Oberbürgermeister und der Kölner Ordensprovinzial. Und beim anschließenden Festakt kann Pater Christoph dann das neueste Werk vorstellen: Die Festschrift zum Hundertjährigen. „Noch ist sie nicht ganz fertig“, sagt der Pater und zwinkert mit einem Auge. (ms)

Quelle: Bistum Essen (katholische-Kirche.de)