Abiturrede von Dezember 2009

Auf der Abiturfeier am 18. Dezember 2009 hielt der Schulleiter Bernhard Nadorf folgende Rede:

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten, Liebe Freunde und Angehörige unserer Studierenden, Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Im Namen der Schulgemeinde des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums begrüße ich Sie alle sehr herzlich in unserem Hause. Am Montag haben wir das Abitur mit den letzten Prüfungen abgeschlossen, heute feiern wir gemeinsam unseren Erfolg.

Sie alle, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, haben die Abiturprüfung erfolgreich bestanden; der Schmerz ist vorbei; heute erhalten Sie das Zeugnis der Allgemeinen Hochschulreife; dazu gratuliere ich Ihnen allen sehr herzlich.

Mein Glückwunsch und mein Dank gilt auch Ihnen, den Angehörigen und Freunden unserer Studierenden. Sie haben in den vergangenen Jahren auf manches verzichtet. Sie haben unsere Abiturienten auf ihrem Weg begleitet, ermutigt und ihnen immer wieder den Rücken gestärkt. Deshalb sind Sie heute auch zu Recht hier, denn Sie sind ein Teil des Erfolgs – Sie, die Väter, Mütter, Geschwister und Ehepartner unserer Studierenden.

Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer gemeinsamen Arbeit von Studierenden und von Lehrenden. Es gehört zu den Besonderheiten zentraler Abiturprüfungsverfahren, dass nicht nur der Leistungsstand unserer Studierenden, sondern auch die Qualität unserer pädagogischen Arbeit getestet wird. Gemeinsam haben die Studierenden und Lehrenden dieses Abitursemesters ein Ergebnis erreicht, das auch im Landesvergleich als überdurchschnittlich zu bezeichnen ist – und das unter den besonders schwierigen Bedingungen eines berufsbegleitenden Unterrichts – ein schönes Geschenk für eine Schule, die in diesem Jahr ihr 50jähriges Schuljubiläum gefeiert hat und an der Schwelle zu einem neuen Jahrzehnt in ihre zweite Jahrhunderthälfte eintritt.

Ihnen, den Kolleginnen und Kollegen, Ihnen den Freunden und Angehörigen und vor allem Ihnen, den Abiturientinnen und Abiturienten: Chapeau

Liebe Festgemeinde: Ich weiß nicht, ob Sie alle die Apothekenumschau kennen. Sie legt in jeder Apotheke aus, wird im Abendprogramm der großen Fernsehanstalten intensiv beworben und enthält wertvolle Tipps zu Rheumadecken, Sesselliften und Rollatoren. Die Leser dieser Zeitschrift befinden sich – das darf man so sagen – in einer Altersgruppe, die nicht mehr schulpflichtig ist und in aller Regel auch nicht eine Schule des zweiten Bildungsweges besucht.

Die Abiturzeitschrift, die unsere Studierenden vorgelegt haben, enthält nun sehr interessante Parallelen zur Apothekenumschau und sie ist übrigens auch umsonst zu haben. Die farbliche Gestaltung und der Inhalt dieser Zeitung legen übrigens den Verdacht nahe, dass sie von einer führenden Deutschen Pharmafirma gesponsert wurde, ohne dass diese Firma im Impressum genannt wird.

Ich würde dies einmal als Schleichwerbung bezeichnen.

Da ich sowohl auf der Vorderseite dieser Zeitschrift als Namengeber eines Medikamentes und auf der Rückseite mit Photo und Durchsage abgebildet bin, gestatten Sie mir, wenn ich als Cheftherapeut dieser Schule etwas zur Verbindung von Schule und Gesundheit sage, was über den aktuellen Bezug zur Schweinegrippe hinausgeht.

Mein stellvertretender Schulleiter oder – um in der Sprache des Sheriffs zu bleiben – mein Deputy – pflegt mich manchmal als Anstaltsleiter zu bezeichnen – wobei interessant ist, dass er sich bisher selbst nie als stellvertretenden Anstaltsleiter gesehen hat.

Nun ist eine Anstalt – wie Sie alle wissen – kein Krankenhaus, und ich überlasse es Ihnen, dieses Wort im Einzelnen zu interpretieren. Aber vielleicht muss man je schon etwas verrückt sein, sich selbst in eine solche Anstalt einzuweisen, 3,5 Jahre durchzuhalten und dann – nach einer großen Operation als geheilt entlassen zu werden.

Aber: Gott sei Dank bestimmen in dieser Gesellschaft immer noch wir selber, was verrückt und was nicht verrückt ist, und die Definition von einem richtigen Platz und von einem falschen Platz ist immer von der Perspektive des Betrachters abhängig.

Wenn man, Liebe Studierende, Ihre Abiturzeitung liest, dann weiß man nie so ganz genau ob Sie sich selbst oder ob wir Ihnen den Schmerz zugefügt haben, der mit dem heutigen Tag endet. Ich glaube, das Abendgymnasium war für viele von Ihnen ein „surgical cut“, ein chirurgischer Eingriff, der schmerzt, aber auch zur Heilung beiträgt.

Und wenn man die Abiturzeugnisse mit der Zensurendiagnose betrachtet, dann hat man schon den Eindruck, dass mit der Entlassung aus dieser Anstalt eine neue Perspektive für Ihre persönliche Zukunft verbunden ist.

Das therapeutische Grundkonzept dieser Schule ist klar: Wir wollen, dass Menschen aus allen Altersgruppen und sozialen Schichten die Chance erhalten, einen höheren Schulabschluss zu erreichen, um ein Hochschulstudium aufzunehmen, sich beruflich weiter zu qualifizieren oder auch persönlich durch den Besuch des Abendgymnasiums weiterzuentwickeln.

Herr Minister Armin Laschet hat das in seinem Festvortrag am 02. Oktober einmal in dem Satz zusammengefasst: Deutschland auf dem Weg zur Aufsteigerrepublik; und die ersten Abiturienten haben das Leitwort gewählt: Von der siebten Sohle zur Akropolis.

In diesem Sinne gehören alle, die nicht stehen bleiben, sondern den Mut haben, neue Wege zu gehen, um ihrem Leben auch nach dem Ende der Schulpflicht eine neue Perspektive zu geben, zur sog. Bildungselite, insbesondere natürlich vor allem auch die Studierenden, die besonders gute Leistungen erzielen.

Das Wort Elite kommt von electus ausgewählt. In vielen Ländern hat dieser Begriff einen positiven Klang: Insbesondere im angelsächsischen Bereich, in Amerika und England gibt es sogenannte Eliteuniversitäten oder Eliteschulen, aus denen Nobelpreisträger hervorgehen und die sich durch ausgezeichnete Leistungen im Bereich der Forschung profilieren. Sie treten miteinander in Konkurrenz und tragen damit zur innovativen Entwicklung der Gesellschaft bei.

Wir betrachten den Begriff der Elite zunächst mit Skepsis, weil wir vermuten, dass es sich dabei um eine finanzielle oder soziale Elite handelt. Durch die Weltwirtschaftskrise ist diese Bezeichnung zusätzlich diskreditiert, weil viele den Eindruck haben, dass sich die Eliten ohne jeden moralischen Anstand und ohne jede Verantwortung für die Gesellschaft bereichert haben. Die negative Bedeutung des Wortfeldes wird noch stärker in der Bezeichnung „Elitär“ deutlich.

Was ist die richtige Mitte?

Es ist zunächst einmal völlig klar, dass jede Gesellschaft Menschen braucht, die überdurchschnittliche Fähigkeiten haben. Wir müssen diese Menschen fördern, in unseren Klassenzimmern, in unseren Lehrerzimmern und in unseren Hochschulen. Nicht der Neid, nicht die Ignorierung und nicht die Isolierung, sondern die Unterstützung und die individuelle Förderung ihrer Begabung müssen im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stehen.

Wir müssen vor allem allen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die diese Fähigkeiten haben, unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern den Zugang zu schulischen und universitärer Ausbildung eröffnen – auch durch den Ausbau eines Stipendiatensystems, das diesen Namen wirklich verdient.

Auf der anderen Seite dürfen wir erwarten, dass sich die Eliten nicht von der Gesellschaft abkapseln, sondern ihr Handeln an ethischen Maßstäben orientieren, lernen, ihr Wissen mit anderen zu teilen, solidarisch zu handeln und teamfähig zu sein.

All dies sind Eigenschaften, die auch für Ihr Studium an der Hochschule von immer größerer Bedeutung sein werden. Die Universitäten erwarten von Ihnen zum einen fachliche Kenntnisse, zunehmend prüfen und bewerten sie aber auch persönliche Fähigkeiten, die überfachlich sind. Das Gleiche gilt für die Personalchefs der Firmen, die ebenfalls großen Wert auf diese Qualifikationen legen.

Vielleicht wird diese Gesellschaft Eliten immer als etwas verrückt bezeichnen und ganz besonders diejenigen, die sich vom Basiscamp auf den Weg zum Gipfel machen. Etwas Risiko und etwas Schmerz sind immer dabei, wenn man sich auf einen neuen Weg macht. Was zählt ist das Ergebnis des surgical cut, den Sie vorgenommen haben.

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten, wenn ich Ihnen in dieser Feier die Abiturzeugnisse überreiche, dann verbinde ich damit die Anerkennung für Ihre persönliche Leistung und den Dank unseres Kollegiums für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren mit den besten Wünschen für Ihre persönliche Zukunft.

Liebe Festgemeinde,

Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen Abschnitt in der Geschichte unserer Schule und zu einem neuen Jahrzehnt, das wir im Ruhrgebiet mit dem Jahr der Kulturhauptstadt eröffnen werden.

Für unsere Schule ist auch wichtig, dass an diesem Sonntag der neue Bischof von Essen, Dr. Franz-Josef Overbeck eingeführt wird. Wir begrüßen ihn ganz herzlich in unserem Bistum.

Sie, liebe Abiturienten, gehören zu der Generation, die die Zukunft von Kirche und Gesellschaft in dieser Region gestalten wird. Mit der Verleihung des Zeugnisses der Allgemeinen Hochschulreife haben Sie eine wichtige Grundlage für Ihre persönliche Zukunft gelegt.

Ihnen allen, liebe Gäste, wünsche ich einen schönen Abend in unserem Hause, ein friedvolles und ein gesegnetes Weihnachtsfest und viel Erfolg und vor allem persönliche Gesundheit im neuen Jahr 2010.

Abiturrede im Dezember 2008

Auf der Abitur-Abschlussfeier am 12. Dezember 2008 hielt der Schulleiter Bernhard Nadorf die folgende Rede vor der Festgemeinde:

Liebe Studierende, Liebe Angehörige unserer Studierenden, Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Namen der Schulgemeinde des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums begrüße ich Sie alle sehr herzlich zu unserer Abiturfeier.

Die letzten mündlichen Prüfungen liegen hinter uns, heute feiern wir gemeinsam unseren Erfolg. Im Mittelpunkt dieser Feier stehen Sie, liebe Abiturienten. Wir gratulieren Ihnen sehr herzlich zur bestandenen Reifeprüfung und wünschen Ihnen alles Gute und Gottes Segen für Ihren künftigen Lebensweg.

Mit dem Prüfungszeugnis, das Sie, liebe Abiturienten heute erhalten, ziehen Sie die Bilanz der vergangenen Jahre an unserer Schule – und diese Bilanz ist beachtlich. Acht Studierende haben das Abitur an unserer Schule mit der Note 1 vor dem Komma abgeschlossen, viele Noten liegen im guten Bereich. Aber unsere Gratulation gilt nicht nur ihnen, sondern allen Abiturienten, die heute hier sind. Denn die Leistung spiegelt sich nicht allein in der Durchschnittsnote wider. Jeder von Ihnen, Jede von Ihnen hat unter den spezifischen Bedingungen, die mit dem Zweiten Bildungsweg verbunden sind, den beruflichen, familiären und persönlichen Belastungen, Außergewöhnliches geleistet.

Zu den Ergebnissen der Abendgymnasien und Kollegs im Zentralabitur 2008 hat das Ministerium für Schule und Weiterbildung am 05. Dezember eine Presseerklärung herausgegeben, in der es heißt und ich zitiere wörtlich:

In den zentralen Abiturklausuren erreichten die Studierenden der Weiterbildungskollegs knapp das Niveau der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Die landesweite Abiturdurchschnittsnote des Weiterbildungskollegs liegt mit 2,56 sogar leicht über der des Gymnasiums (2,59).

Schulministerin Barbara Sommer: „Die Ergebnisse sind ein Beleg für die hervorragende Arbeit der Weiterbildungskollegs in Nordrhein-Westfalen. Wer sein Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg machen möchte, erhält an unseren Weiterbildungskollegs ein hochwertiges Bildungsangebot.“

Zitat Ende.

Wer den beruflichen Alltag unserer Studierenden mit dem eines Schülers in der gymnasialen Oberstufe vergleicht und weiß, wie viele Studierende, die nicht in Deutschland geboren sind, unsere Bildungseinrichtungen erfolgreich besuchen, der wird dieses Ranking der Landesregierung in besonderer Weise würdigen.

Damit wird die Gleichwertigkeit der Bildungsabschlüsse im Bereich der Abendgymnasien in eindrucksvoller Weise bestätigt. Es wird gleichzeitig deutlich, dass die Abendgymnasien einen wichtigen Beitrag zur schulischen Qualifizierung und damit zur Integration unserer ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger leisten.

Und so gilt das Kompliment der Ministerin Ihnen allen, sicherlich aber vor allem auch unseren ausländischen Studierenden. Ihre Wiege stand nicht in Essen. Sie stammen aus Kabul und Kandahar in Afghanistan, aus Rybnik und Beuthen in Polen, aus Astana und Alma Ata in Kasachstan und aus der Ukraine.

„The Ruhr meets the world“ dies ist das Leitwort unserer Schule und dieser Abiturientia.

Das Nikolaus-Groß-Abendgymnasium ist eine Schule im Herzen des Ruhrgebietes und wie diese Region insgesamt von der Migration geprägt. Mit ihren unterschiedlichen und facettenreichen Biographien bilden unsere Studierenden einen Regenbogen, in dem jede Farbe eine unverwechselbare Identität hat. Der Regenbogen ist dann ein Zeichen der Hoffnung und Zuversicht, wenn es uns gelingt, Fremde durch Nähe und Ausgrenzung durch Integration zu überwinden. „Die Kirche kennt keine Fremden“ – so ist der Titel einer gemeinsamen Denkschrift der katholischen und evangelischen Kirche Deutschlands. Und Papst Benedikt XVI sagt in seiner Ansprache zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge im Jahre 2007: „Wenn man der immigrierten Familie keine wirkliche Möglichkeit zur Integration und zur Beteiligung zusichert, lässt sich für sie eine harmonische Entwicklung kaum voraussehen.“ Und er fordert daher die kirchlichen Gemeinschaften auf, „die öffentliche Meinung für die Nöte und Probleme ebenso wie für das positive Potential der Migrantenfamilien zu sensibilisieren.“

Diesem Auftrag ist auch und gerade die Kirche im Bistum Essen, das diese Schule gegründet hat und trägt, verpflichtet. Es ist daher ein integrativer Bestandteil unserer christlichen Grundüberzeugung, dass wir Menschen, die als Fremde zu uns kommen, als Gäste aufnehmen und ihnen die Möglichkeit eröffnen, sich durch den Erwerb von schulischen Qualifikationen in diese Gesellschaft zu integrieren.

Das Abendgymnasium ist darüber hinaus eine Schule, die dem Prinzip der Bildungsgerechtigkeit verpflichtet ist. Aus den Untersuchungen des Essener Bildungsforschers Prof. Klemm wissen wir, dass der Anteil der Schüler, die in Essen ein Gymnasium besuchen, von Stadtteil zu Stadtteil sehr unterschiedlich ist, und dies lässt sich sicherlich auch auf andere Städte übertragen. Europäische Studien belegen darüber hinaus, dass das deutsche Bildungssystem den Prozess der Selektion der Schüler nach ihrer sozialen Herkunft fördert und sie nicht durch Förderung integriert.

Auch dies spiegelt sich in den Biographien unserer Studierenden wieder. Als sie vor 2 oder 3 Jahren ihre Anmeldeunterlagen vorgelegt haben, da lagen schon viele Schuljahre hinter ihnen – teilweise geprägt durch persönliche Enttäuschung oder auch durch einen Schulabbruch. In den Akten unserer Studierenden finden sich Zeugnisse aller Schulformen von allen Kontinenten. Einige von ihnen haben auch in ihrer Schullaufbahn unterschiedliche Schulformen kennen gelernt, sie begannen am Gymnasium, wechselten dann zur Realschule, von dort zur Hauptschule und haben jetzt das Abitur am Abendgymnasium gemacht.

Vor dem Hintergrund der Erfahrung mit diesen Schulbiographien unserer Studierenden sollten wir als Gymnasium am Abend das Ziel haben, soziale Benachteiligungen zu überwinden und allen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und von der finanziellen Leistungsfähigkeit ihres Elternhauses die Chance zu eröffnen, eine schulische Qualifikation zu erwerben.

Bildung ist der Schlüssel zu einer gerechten Gesellschaft, in der jeder Mensch seine individuellen Talente und Begabungen entfalten kann.

Das Nikolaus-Groß-Abendgymnasium ist als Schule des Bistums Essen den Prinzipien der Integration und der sozialen Chancengleichheit verpflichtet.

Im weltweiten Verbund der katholischen Schulen erfüllt unsere Schule den gleichen Bildungsauftrag wie die von Kapuzinern geführte St. Francis of Assisi Elementary School in Jakarta/Indonesien. Dort wurde im Jahre 1967 der Schüler Barack Obama angemeldet. Sein Vater stammte aus Alego in Kenia und gehörte zum Luo-Volk. Seine Mutter, Stanley Ann Dunham war eine weiße US-Amerikanerin aus Wichita, Kansas. Die Eltern lernten sich als Studenten an der Universität von Hawaii in Manoa kennen. Sie heirateten 1961 in Hawaii zu einer Zeit, als in anderen Teilen der USA Ehen zwischen Schwarzen und Weißen noch verboten waren.

Barack Obama besuchte diese Schule von 1967 bis 1970. Er wurde eigentlich mit allen Benachteiligungen geboren, die man als Kind in Amerika haben konnte: Er war nicht weiß, seine Eltern waren arm und er war ein Migrant – in vielen Kulturen zuhause.

Der Schlüssel für seinen kometenhaften Aufstieg zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika war die Bildung: In Indonesien von 1967 bis 1970, dann zurück in Hawaii an der renommierten privaten Punahou School, deren Ausbildung er 1979 mit Auszeichnung abschloss.

Er studierte am Occidental College in Los Angeles und in Harvard und legte damit die Grundlage für seine außergewöhnliche politische Karriere.

In der Hütte von Afrika, in den Slums von Jakarta und auf der Straße in Bangkok hatte dieser junge Mann einen Traum, an dem er ohne Selbstmitleid unbeirrt festhielt. Wenn Du Dich anstrengst, wenn Deine Eltern Dich auf gute Schulen schicken und wenn Du ein erfolgreiches Hochschulstudium abschließt, dann hast Du eine Chance in dieser Gesellschaft.

Liebe Studierende; nicht jeder von Ihnen kann amerikanischer Präsident werden. Aber vielleicht kann Ihnen auch jemand Hoffnung machen wie der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder, der in einer Obdachlosensiedlung aufwuchs, dann das Abendgymnasium besuchte und später Bundeskanzler wurde oder jemand wie unser Namengeber Nikolaus Groß, der Bergarbeiter war, Abendkurse absolvierte und später zur Ehre der Altäre erhoben wurde.

Die Lebensbiographien dieser Menschen sollten uns ermutigen, soziale Benachteiligungen nicht durch zusätzliche Selektion zu vertiefen, sondern zu überwinden.

Symbolisch für den unbeugsamen Willen zur Überwindung von Diskriminierung nach Hautfarbe, Migration und sozialer Herkunft war das Leitwort der Wahlkampagne Barack Obamas „Yes, we can“, das sich mit dem Thema der berühmten Rede Martin Luther Kings „I have a dream“ verbindet.

Vor nahezu 50 Jahren hat der erste Leiter dieser Schule, Herr Heinrich Allekotte, ein Latein- und Griechischlehrer, auf die zeitlose Frage aller Bewerber „Can we?“ mit einem lateinischen Satz geantwortet: Potuerunt hae, et Potuerunt hi, quare non ego?‘ Diese (Frauen) haben es gekonnt, diese (Männer) haben es gekonnt, warum nicht ich?

Liebe Festgemeinde: “ Yes we can“ und „I have a dream“ und „Potuerunt hi oder hae“ an diesem Prinzip der Ermutigung muss sich die pädagogische Arbeit an unseren Schulen orientieren.

Wir sehen immer erst das, was Du gut kannst und nicht was Du nicht gut kannst.

Wenn Du fällst, richten wir Dich auf.

Wenn Du krank bist, dann schicken wir Dir die Unterlagen per email

Wenn Du eine schlechte Arbeit schreibst, dann fördern wir Dich, damit Du die nächste besser schreibst,

Wenn Du Probleme hast, dann lösen wir die Probleme hier und schieben Dich nicht ab.

Wir wollen die Integration und nicht die Selektion, nicht die Entmutigung, sondern die Ermutigung.

Sie liebe Abiturienten stehen am Ende Ihrer Schullaufbahn und Ihre Harvards und Oxfords warten. Wie Barack Obama so können auch Sie Anderen, die am Anfang stehen oder die überlegen, ob sie diesen Weg gehen sollen, Mut machen.

Gleichzeitig ist der heutige Tag auch ein Tag der Ermutigung für Sie auf Ihrem weiteren Lebensweg. Genauso wie wir uns in der Vergangenheit dafür interessiert haben, welche Schulen Sie vor dem Eintritt in das Abendgymnasium besucht haben, genauso werden wir auch Ihren weiteren Weg mit Aufmerksamkeit begleiten.

Sie sind an unserer Schule immer herzlich willkommen, vor allem im nächsten Jahr, in dem wir am 02. Oktober 2009 unser 50jähriges Schuljubiläum feiern.

Und so wünsche ich Ihnen, Ihren Angehörigen und Freunden und Ihnen, Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Sie unsere Studierenden auf diesem Weg begleitet haben, einen schönen Abend in unserem Hause, ein frohes und friedvolles Weihnachtsfest, ein gutes und gesundes neues Jahr 2009 und Gottes Segen auf allen Ihren Wegen.

Abiturrede im Juni 2008

Auf der Abitur-Abschlussfeier am 5. Juni 2008 hielt der Schulleiter Bernhard Nadorf die folgende Abschlussrede:

Liebe Studierende, Liebe Angehörige unserer Studierenden, Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Namen der Schulgemeinde des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums begrüße ich Sie alle sehr herzlich zu unserer Abiturfeier.

Die letzten mündlichen Prüfungen liegen hinter uns, heute feiern wir unseren gemeinsamen Erfolg. Im Mittelpunkt dieser Feier stehen Sie, liebe Abiturienten. Wir gratulieren Ihnen sehr herzlich zur bestandenen Reifeprüfung und wünschen Ihnen alles Gute und Gottes Segen für Ihren künftigen Lebensweg.

Die Abiturientia 2008 ist in mehrfacher Hinsicht eine besondere. Das Jahr 2008 steht im Zeichen unseres Bistumsjubiläums. Das Bistum Essen wurde im Jahre 1958 gegründet. Unser Ruhrbistum ist ein soziales Bistum. Und so ist auch das Abendgymnasium, die erste Schule unseres Bistums, ein Beispiel für das soziale Engagement der Kirche für die Menschen in dieser Region. Ein Bildungsangebot, um Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen im ersten Bildungsweg einen Schulabschluss nicht erreicht haben, diese zweite Chance für eine schulische Qualifikation zu eröffnen.

Sie liebe Studierende, gehören zu diesen Menschen, und ich denke, dass es an diesem Wochenende, an dem wir dieses Jubiläum mit einem großen Fest in der Innenstadt feiern, wichtig ist, daran zu erinnern, auf welchen geistigen Schultern wir stehen.

Unsere Schule liegt direkt an der Bahnlinie, im Herzen des Ruhrgebietes; sie verbindet damit nicht nur den Essener Süden mit dem Essener Norden und zeigt damit symbolhaft, dass das Abendgymnasium eine Schule ist, die den sozialen Ausgleich fördert und den Arbeiterkindern aus Stadtteilen wie Stoppenberg und Katernberg genauso eine Bildungsperspektive bietet wie denen, die aus den Schulen im Essener Süden zu uns kommen.

An Hand der Geburts- und Wohnorte unserer Studierenden können wir darüber hinaus ablesen, dass das Nikolaus-Groß-Abendgymnasium keine Essener Stadtteilschule ist. Sie ist eine Schule für das Ruhrbistum und für das Ruhrgebiet. Indem sie offen ist für Studierende aus vielen Ländern der Erde, ist sie auch eine Schule, die der Integration von Menschen verpflichtet ist, die neu in diese Region kommen.

Dass unser Ruhrbistum ein soziales Bistum ist, haben die drei Bischöfe von Essen immer wieder betont. Es ist für die Menschen da, die in unserer Gesellschaft durch das Netz der sozialen Sicherheit fallen, mit seinen Suppenküchen für Bedürftige, mit der Bahnhofsmission, mit seinem Engagement für die Lehrstellen und mit der globalen Sorge für die Armen in der Bischöflichen Aktion Adveniat.

Das Nikolaus-Groß-Abendgymnasium, die Schule der Zweiten Chance, ist eine Facette im sozialen Engagement dieses Bistums.

Eine zweite Besonderheit, die unsere Abiturientia von denen in den Jahren von 1959 bis 2008 wesentlich unterscheidet ist die Beteiligung unserer Studierenden an der ersten Zentralabiturprüfung. Mit der erfolgreichen Teilnahme an dieser Prüfung haben Sie, liebe Studierenden und Lehrenden unter Beweis gestellt, dass Sie in der Lage sind, unter den besonders schwierigen Rahmenbedingungen des berufsbegleitenden Unterrichts gleichwertige Leistungen zu erbringen.

Die zentral wichtige Botschaft dieser Abiturprüfung lautet daher: Die Schulen des Ersten und des Zweiten Bildungsweges begegnen sich auf gleicher Augenhöhe, und wenn Sie ein Zeugnis dieser Schule erhalten, dann ist dies gleichwertig mit allen anderen Zeugnissen im Land; dies war zwar schon immer so, und die Biographien unserer auch im Studium erfolgreichen Abiturienten über die letzten 50 Jahre belegen das; aber nach dem alten lateinischen Prinzip „quod erat demonstrandum“ ist es jetzt auch mit dem offiziellen Siegel der zentralen Abiturprüfung bestätigt.

Und damit ist auch bestätigt, dass Menschen, die zu uns von der Hauptschule oder aus sozial benachteiligten Stadtteilen kommen, an dieser Schule eine gleichwertige Hochschulreife erreichen können – wie Norbert Blüm, Gerhard Schröder und viele andere, die vorher diesen Weg gegangen sind.

Unsere Abiturklasse ist – last but not least – auch deshalb eine besondere, weil sie die Prüfung mit einem Abigag abgeschlossen hat – und die Cheforganisatoren dieser spektakulären Veranstaltung sitzen ja hier vor uns. – ein, wie Ihre Kursstufenleiterin Frau Hoffmann bemerkte, eindrucksvoller event und ein Beleg für das kreative Potential, das in unseren Studierenden steckt.

Es gehört auch zu den Besonderheiten dieser Klasse, die ich in den vergangenen 3,5 Jahren als Klassenlehrer und Fachlehrer in drei Fächern begleitet habe, dass sie immer wieder im Mittelpunkt unserer pädagogischen Fürsorge war. Ich möchte allen Kolleginnen und Kollegen danken, dass sie durch viele persönliche Beratungsgespräche mit dazu beigetragen haben, dass wir heute gemeinsam das Abitur feiern.

Sicherlich hat auch die gemeinsame Herausforderung der zentralen Abiturprüfung mit dazu geführt, dass wir an unseren Schulen immer stärker das Gefühl entwickeln, dass wir als Lehrende und Studierende eine gemeinsame Verantwortung für die Prüfungsleistungen tragen.

Mancher von Ihnen, liebe Studierende, ist in der Abiturprüfung über sich hinausgewachsen, und dafür möchte ich Ihnen ausdrücklich meine persönliche Hochachtung aussprechen.

Liebe Studierende, in diesen Tagen gehen meine persönlichen Erinnerungen zurück an das Jahr 1968, als ich meine Abiturprüfung abgelegt habe. Im September dieses Jahres wird mich eine Klasse besuchen, die an unserer Schule auch in diesem Jahr das Abitur bestanden hat. Es ist hier weder der Ort noch die Zeit, über die politische Bedeutung des Jahres 1968 zu sprechen.

Im Vergleich der Jahre 1968 und 2008, in dem auch mein Sohn die Reifeprüfung abgelegt hat, sind die zeitgebundenen Zukunftsperspektiven der Abiturienten sicherlich unterschiedlich. Als wir damals vor 40 Jahren die Schule verlassen haben, konnten wir studieren, was wir wollten, ein Numerus clausus war so gut wie unbekannt, und wir konnten auch sicher sein, dass wir nach dem Studium eine gute und sichere Perspektive haben würden – auch mit einem esoterischen Studienfach mit einem esoterischen Berufsbild. Die Globalisierung war ein Fremdwort und viele der sog. 68er haben es sich in lebenslangen Beamtenverträgen bequem gemacht – mit der Aussicht auf eine gute Pension.

Wie wird es für Sie sein im Jahre 2048? Wenn Sie in diesem Jahr auf die vergangenen 40 Jahre so zurückblicken wie heute auf das Jahr 2008, dann werden Sie vielleicht feststellen, dass vieles für Sie nicht so einfach war wie für die Generation Ihrer Großväter und Großmütter.

Aber lassen Sie sich nicht von finsteren Visionen der Science fiction Propheten paralysieren. Eine spannende Zukunft liegt vor Ihnen, und das Zeugnis, das Sie heute erhalten, das Ihnen nicht nur bescheinigt, welche Qualifikation Sie erworben haben, sondern wie Sie diese Qualifikation berufsbegleitend erworben haben, ist wie ein Schlüssel zu einer neuen Tür oder wie ein Passwort für eine neue Computerdatei.

Ich wünsche Ihnen allen, dass die Tür, die Sie mit diesem Schlüssel öffnen, Sie auf einen neuen Weg führen wird – im Beruf oder auch in einem Studium an der Universität.

Wir, Ihre Lehrerinnen und Lehrer wünschen Ihnen auf diesem Wege viel Erfolg und Gottes Segen.