Gib Frieden! – Besuch aus dem Libanon

Im Rahmen der Fastenzeit gastieren traditionell Redner aus dem Bereich Weltkirche am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium. In diesem Jahr ist das Motto Gib Frieden und selten wurde ein Vortrag so stark durch das tagesaktuelle Geschehen unterstrichen wie die Ausführungen von Heba Al-Basha, die am 4. März die Schulgemeinde des Abendgymnasiums über die Arbeit des Flüchtlingsdienstes der Jesuiten aufklärte.

 

Heba Al-Basha kommt aus dem Libanon, einem Land das zwei Millionen Flüchtlinge aus Syrien und Palästina aufgenommen hat. „Diese Herausforderung kann man erst einordnen, wenn man weiß, dass der Libanon lediglich vier Millionen Einwohner hat,“ betont Dorothea Meilwes vom Bistum Essen.

 

Durch repressive Gesetzgebung im Libanon sehen sich die Flüchtlinge großen Schwierigkeiten ausgesetzt. Sie dürfen bspw. keine festen Hütten in den Camps bauen, was bei einem verschneiten Winter zu großer Kälte in den Zelten führt. Darüber hinaus haben die Kinder der Syrer keinen Anspruch auf Schulbildung. Vor dem Hintergrund, dass die Familien schon bis zu zehn Jahre auf eine Rückkehr nach Syrien und somit auf ein Ende des Krieges warten, ist dies ein enormer Nachteil für die Kinder. Heba Al-Basha beschreibt, wie der Flüchtlingsdienst der Jesuiten in verschiedenen grenznahen Städten Schulen aufgebaut hat und diese bis heute unterhält, um die Kinder vom 5. bis zum 14. Lebensjahr zu fördern. Auch für die Erwachsenen werden Kurse angeboten, damit sie die Kinder unterstützen können.

 

Neben den fehlenden Bildungschancen sind Kinder wie auch Erwachsene häufig traumatisiert. „Für diese Menschen haben wir ein psychisches und sozialpsychologisches Unterstützungsangebot aufgebaut, um darauf zu reagieren. Da die Menschen selten lange an einem Ort bleiben, müssen unsere Psychologen vor Ort eine Notfalltherapie durchführen, die längstens sechs Monate dauert,“ erläutert Heba Al-Basha den Alltag für die NGO im Libanon.

 

Im Gespräch mit den Studierenden erläutert sie, warum die Situation zwischen der libanesischen Regierung und den syrischen Flüchtlingen so angespannt ist, und wie der Flüchtlingsdienst versucht, die Bedingungen der Menschen zu verbessern. Am Ende des Gesprächs dankte Schulleiter Jochen Suthe Heba Al-Basha und den Mitarbeitern des Bistums Essen: „Die Bilder von den Stacheldrähten, mit denen Menschen aufgehalten werden sollen, die als Flüchtlinge zum Spielball der Politik werden, haben uns alle bewegt. Umso glücklicher sind wir, dass sie gerade in dieser Zeit einen so ausführlichen Einblick in ihren Arbeitsalltag gegeben haben und so der Schulgemeinschaft einen Blick über den Tellerrand der Schule, der Stadt und des Landes ermöglicht haben.“

Im anschließenden Gottesdienst unterstrich Schulseelsorger Michael Schwarzer diese Worte, denn aus christlicher Sicht ist die aktuelle Situation der flüchtenden Menschen an Europas Grenzen unerträglich. Heba Al-Basha nutzte den Gottesdienst, um auf den hohen Wert von Frieden hinzuweisen und dankte den Studierenden, dass sie heute ihre Herzen geöffnet haben.

 

Das Nikolaus-Groß-Abendgymnasium dankt Misereor und der Abteilung Weltkirche des Bistums Essen, die die Begegnung organisiert haben und nicht zuletzt Heba Al-Basha, dass sie uns allen ein wichtiges humanitäres Thema näher gebracht hat und wünscht viel Erfolg bei ihren zukünftigen Herausforderungen.