Abiturzeugnis unter dem Weihnachtsbaum

Zentralabitur am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium erfolgreich absolviert

Die zentralen Abiturprüfungen haben die 48 Abiturientinnen und Abiturienten des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums erfolgreich abgelegt und am Freitag, 12.12.2008, ihren Abschluss gefeiert – mit einem Gesamtdurchschnitt von 2,54, der noch unter dem der Tagesgymnasien vom Mai 2008 (2,59) liegt.

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr – die Abiturprüfungen an den Schulen des zweiten Bildungsweges finden sowohl im Sommer als auch im Winter statt -zeigt die erfolgreiche Teilnahme der Lehrenden und Lernenden an den zentralen Prüfungsverfahren in eindrucksvoller Weise die Qualität der schulischen Arbeit am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium. Unter ungleich schwierigeren Voraussetzungen eines berufsbegleitenden Unterrichts zeigte sich die Gleichwertigkeit der Abschlüsse der Schulen des zweiten Bildungsweges und des ersten Bildungsweges in den Prüfungen im Zentralabitur.

Für die Abiturientinnen und Abiturienten des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums bedeutet das Abiturzeugnis die Bestätigung Ihrer Leistungen und die Chance, durch ein Hochschulstudium ein Ziel zu verwirklichen, das sie zunächst weit entfernt glaubten. Stellvertretend für das gesamte Abitursemester wurden am Abend der Abiturfeier einige Abiturientinnen und Abiturienten interviewt.

Ladies first: Eine der Abiturientinnen, Melanie Bitter (24) verließ mit dem Abschluss der 9. Klasse das Tagesgymnasium, wurde dann medizinische Fachangestellte und besuchte seit 2005 das Abendgymnasium. Sie war zwar mit ihrem Job zufrieden, „wollte aber etwas bewegen und immer schon das Abi machen“. Jetzt möchte sie ein Studium im medizinischen Bereich beginnen – allerdings erst in einem Jahr: Zunächst freuen sie und ihr Mann sich auf die Geburt ihres ersten Kindes im Februar 2009. Hochschwanger hat sie die Abiturprüfungen erfolgreich mit einem Schnitt von 1,5 abgelegt! Besonders positiv bewertet sie die Möglichkeit der zeitlich flexiblen Teilnahme am Unterricht, die es ihr ermöglicht hat, zunächst einem Vollzeitjob nachzugehen und während ihrer Schwangerschaft in Teilzeit zu arbeiten und zusätzlich die Schule zu besuchen. Auch Michaele Gehrmann (40) bestätigt, dass es ein „erhabenes Gefühl“ sei, das Abiturzeugnis in der Hand zu halten. Als sie in der 8. Klasse des Tagesgymnasiums war, beschloss ihre Mutter, sie zur Hauptschule zu schicken, was sie negativ bewertet. Durch das nachträgliche Erreichen des Abiturs kann sie jetzt ihren Wunsch, Literaturgeschichte und Kunstgeschichte zu studieren, verwirklichen. Der Weg dorthin war nicht immer leicht. Sie arbeitet als Vollzeitkraft im Hotelbetrieb und hat außerdem 2 pubertierende Kinder (12,5 und 10,5 Jahre alt). „Zwischen Verstärker und Posaune lernte ich für die Bioklausur“, erinnert sie sich und sieht der Verwirklichung ihres Berufswunsches der Lektorin positiv entgegen: „Wenn ich das hier geschafft habe, schaffe ich das auch noch.“ Das Bewusstsein, eine besondere Leistung vollbracht zu haben, prägt alle Studierenden des Abiturjahrgangs. So auch Angelika Ulfat, mit 52 Jahren die älteste Studierende des Kurses. Zu Beginn dachte sie, man würde sie schon nach einer Woche nach Hause zurückschicken – weit gefehlt. Sie lernte zusammen mit anderen Studierenden, die im Durchschnitt das Alter ihrer Kinder hatten (ihre älteste Tochter ist 26) und schloss den Schulbesuch als eine der Besten mit 1,3 ab. Ihre Familie steht immer an erster Stelle – aber wenn man das Lernen bisher organisieren konnte, dürfte das nächste Ziel, das Studium der Religionswissenschaften und die Arbeit im christlich-islamischen Dialog, auch erreichbar sein, so hofft sie – was durch die bisherige Leistung sicherlich bestätigt wird. Ein Abiturient im Alter ihrer Kinder ist Thomas Metz (24), der Japanologie und Philosophie studieren und in 10 Jahren unbedingt einmal Einsicht in seine jetzigen Abiturklausuren nehmen möchte, von deren Ergebnis er ganz begeistert ist. Auch Matthias Jakob (32), dessen zweijähriger Sohn bei der Abiturfeier kurz dabei sein durfte, stellt das Angebot des zeitlich flexiblen Lernens und die besondere Unterstützung durch die Lehrer besonders hervor. Er strebt das Studium der Religionswissenschaften und Kommunikationswissenschaften an, mit der späteren Möglichkeit im journalistischen Bereich zu arbeiten. Zwei der Abiturienten standen noch unter einer besonderen Belastung, da sie vor dem Ablegen der Abiturprüfung bereits mit einem Studium angefangen hatten. Bartosz Adalbert Janas (27) ist seit Oktober Vollzeitstudent im Bereich Nano-Engineering und empfand die letzte Zeit bis zum Abitur in Kombination mit dem Studium doch als sehr stressig, den erhofften Notendurchschnitt von 1,0 hat er mit 1,3 zwar knapp verfehlt – aber die Leistung muss man erst einmal erbringen! Besonders positiv empfand er die Möglichkeit der flexiblen Zeiteinteilung – „zum Beispiel wenn man mal verschlafen hatte“. Stefan Loots (40), der zunächst die Hauptschule besuchte und eine Lehre als Elektriker machte, dann als Leiter einer EDV-Abteilung arbeitete, studiert bereits seit 2006 – nach dem Erreichen der Fachhochschulreife am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium – Physik und machte gleichzeitig das Abitur. Zeitweilig sah es so aus, als wenn das aufgrund der starken dreifachen Belastung durch eine selbstständige Tätigkeit, das Studium und den Schulbesuch zu stressig wurde, „aber es hat sich gelohnt“, so Herr Loots, der glücklich über seinen Abiturschnitt von 2,7 ist. Zusammen mit seiner Frau Melanie (26) besuchte er die Schule und machte gemeinsam mit ihr das Abitur. Die gegenseitige Unterstützung und die Unterstützung durch die Lehrer und Mitstudierenden waren beiden in dieser Zeit sehr wichtig. Die Äußerungen und Kommentare der Abiturientinnen und Abiturienten bestätigen, was der Leiter des Abendgymnasiums, Herr Bernhard Nadorf, in seiner Abiturrede ausdrückte. Alle haben eine Botschaft der Ermutigung erhalten und können ihre persönlichen Ziele realisieren ebenso wie die Werte, die sie an dieser Schule empfangen haben: Verantwortung zu übernehmen in Kirche und Gesellschaft.

Alle Lehrenden wünschen den Abiturienten, dass sie ihre Ziele verwirklichen können, sich ebenso wie die Lehrenden gerne an die Zeit am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium zurückerinnern und den Kontakt aufrecht erhalten.

Wir hören oder lesen gerne etwas von den weiteren Herausforderungen in Ihrem Leben und hoffen, Sie alle spätestens auf dem nächsten Schulfest zum 50 -jährigen Schuljubiläum am 2. Oktober wieder zu sehen.

Angelika Hover
(Lehrerin des LK Deutsch, zusammen mit Frau Mergen Kursleiterin des Abitursemesters)

Erstes Zentralabitur am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium erfolgreich absolviert

Die ersten zentralen Abiturprüfungen haben die Abiturientinnen und Abiturienten des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums ohne große Aufregungen erfolgreich abgelegt und am Freitag, 6.6.2008, ihren Abschluss gefeiert – gerade rechtzeitig, um sich in die nächste Meisterschaft zu stürzen: die Fußball-Europameisterschaft. So wurden die Reste des Abiturbuffets auch bei dem Treffen am Samstag gemeinsam vor dem Fernseher verzehrt.

In der Geschichte des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums, dem Weiterbildungskolleg des Bistums Essen, das im nächsten Jahr das 50jährige Schuljubiläum feiern wird, bedeutet die diesjährige erstmalige Teilnahme an dem zentralen Prüfungsverfahren einen historischen Einschnitt, da die erfolgreiche Teilnahme der Lehrenden und Lernenden an diesem Verfahren in eindrucksvoller Weise die Qualität der schulischen Arbeit am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium bestätigt. Unter ungleich schwierigeren Voraussetzungen eines berufsbegleitenden Unterrichts wurden gleichwertige Ergebnisse erzielt – der Durchschnitt der Abiturnoten liegt auf dem gleichen Niveau der Abiturnoten wie das der Tagesgymnasien in Nordrhein-Westafeln im Jahr 2007, die Prüfungsaufgaben in den einzelnen Fächern waren identisch mit den Prüfungsaufgaben an den Tagesgymnasien. Das bundesweit einmalige, zeitlich flexible Bildungsangebot – der Unterricht kann wahlweise im täglichen Wechsel von 8.15 – 12.15Uhr oder von 17.30 – 21.30 Uhr besucht werden – eröffnet Berufstätigen, Familienmüttern – und vätern und Arbeitsuchenden eine zweite Chance, das Abitur oder Fachabitur nachzuholen.

Diese zweite Chance nutzten auch Dorothee Günther (49; kaufmännische Angestellte) und Denise Thelen (30; zahnmedizinische Fachassistentin), die beide seit dem Vorkurs die Schule berufsbegleitend besucht haben. Nach einem sechsstündigen Arbeitstag in einem Studio für Werbefotografie und einem achtstündigen Arbeitstag in der Zahnarztpraxis brachten beide zusammen mit ihren Mitstudierenden die Motivation auf, dreieinhalb Jahre lang die Schulbank zu drücken. Die Idee dazu kam für Frau Günther von einer Freundin, die vor 25 Jahren das Abitur am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium abgelegt hatte. Sie begleitete die Freundin zu einem Theaterbesuch mit deren damaliger Klasse, bei dem sie auch den jetzigen Schulleiter, Herrn Nadorf, kennenlernte. Damals arbeitete sie noch 10 bis 12 Stunden am Tag und die Idee, es ihrer Freundin gleichzutun, kam natürlich noch nicht auf. Als sie dann gezwungen war, die Stundenzahl zu reduzieren, suchte sie einen Ausgleich – und fand ihn im schulischen Lernen. Auch als die Stundenzahl wieder erhöht wurde, ist sie trotzdem am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium geblieben. Schritt für Schritt verfolgte sie ihr Ziel in kleinen Schritten von Semester zu Semester. „Und plötzlich war ich im 4. Semester. Die ersten Semester gingen ruck-zuck. Ohne die Unterstützung meines Mannes, der immer für mich gekocht hat und darauf achtete, dass ich nicht ohne zu essen in die Schule ging, hätte ich es nicht geschafft.“, so Frau Günther. Auch Frau Thelen bestätigt, dass die Unterstützung durch die Familie und Freunde besonders wichtig ist, um die Motivation zum Schulbesuch täglich aufzubringen. Ihr Onkel, der ebenfalls das Nikolaus-Groß-Abendgymnasium besucht hat und eine Mitarbeiterin in der Zahnarztpraxis, die ihr Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg machte, gaben für sie den Anstoß, sich am Abendgymnasium anzumelden, um beruflich weiter zu kommen. An Aufgeben hat sie nie gedacht. „Wenn ich einmal etwas angefangen habe, bringe ich es auch zu Ende.“ , so Frau Thelens Motto. Beide sind sich darin einig, dass sie eine schöne Zeit am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium verbracht, viel erlebt und viel gelernt haben – und jetzt froh sind, dass sie es geschafft haben. Dank der guten Vorbereitung durch die Lehrer, so heben beide hervor, der Übereinstimmung der Unterrichtsinhalte mit den Prüfungsaufgaben war das Abitur kein Problem. Sie habe am Abendgymnasium eine „halbe Familie“ gefunden, so Frau Günther, oder , eine „Ersatzfamile“ bestätigt Frau Thelen und beide gehen mit einem lachendem und einem weinenden Auge – die nächsten Ziele schon vor Augen. Frau Thelen will Zahnmedizin studieren, Frau Günther hat für die allernächste Zukunft noch keine Pläne, will aber spätestens studieren, wenn sie pensioniert ist. „Etwas, was Spaß macht. Germanistik, Kunstgeschichte, Geschichte oder Jura.“ Ein lebenslanges Lernen wird hier gelebt – oder um es mit Frau Thelens Worten auszudrücken: „Wissen ist Macht, und Lernen ist sowieso nicht verkehrt.“ So vielfältig wie diese Zukunftspläne, so vielfältig sind auch die Persönlichkeiten und Werdegänge der Studierenden und jetzigen Abiturientinnen und Abiturienten am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium.

Dorothee Günther (links) und Denise Thelen

Dorothee Günther (links) und Denise Thelen

„Homo HAbilis 2008 – Vom Primaten zur Elite“, so lautete das Abiturmotto des jetzigen Abiturjahrgangs.

Nach einem persönlichen Motto befragt, kam die Antwort der beiden Interviewten – generationsübergreifend – sehr schnell und einstimmig: „Carpe Diem!“

In diesem Sinne schließen sich alle Lehrenden des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums an: Mögen alle ihre Chancen nutzen und viele schöne Tage verleben!

Herzlichen Glückwunsch und Auf Wiedersehen am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium!

A. Hover (Lehrerin des GK Englisch, Leitung der AG Öffentlichkeitsarbeit)


 

Neue Kurse am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium beginnen am 11.8.2008.

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Nikolaus-Groß-Abendgymnasium
Franziskaner-Str. 67
45139 Essen
Tel. 0201 – 274060
e-mail: NGA-Essen@t-online.de

Die Hochschule zu Besuch in der Schule

Am 16.7.03 fand am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium eine für alle Beteiligten sehr produktive Zusammenarbeit von Schule und Hochschule statt. Im Rahmen eines Projekttages informierten Studienberater der Universitäten Duisburg/ Essen und Bochum, der Fernuniversität Hagen, der Fachhochschule Gelsenkirchen, der Stelle für geistliche Berufe, des Bafögamtes und des Arbeitsamtes Essen die Studierenden des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums über alles Wissenswerte zur Bewerbung an den Hochschulen, zur Neuordnung von Studiengängen, zu Berufsaussichten, finanziellen Zuschüssen und zu einzelnen Studiengängen. In Einzelgesprächen fand ein reger Austausch statt; die Studienberater äußerten sich positiv über die doch sehr genauen Fragen der erwachsenen Studierenden, die berufsbegleitend bzw. zusätzlich zu der Führung eines Familienhaushaltes das Abendgymnasium besuchen und nach einer neuen beruflichen und persönlichen Perspektive suchen. Außerdem handelte es sich um einen ganz besonderen Service der Studienberatung, denn die Vertreter der Hochschulen kamen in die Schule und ermöglichten so eine umfassende und für die Studierenden zeitsparende Information. Zudem lernten sie das Zeitmodell des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums kennen, indem auch sie den Projekttag im Schichtmodell von 8.15 – 12.15 Uhr und von 17.30 – 21.30 Uhr entsprechend der regulären Unterrichtszeiten durchführten.

Das allgemeine Fazit der Studierenden war, dass sie umfassend informiert und in ihren Entscheidungsprozessen unterstützt wurden und das der Studienberater lautete: „Wir kommen gerne wieder und setzen die anregende Zusammenarbeit zwischen Schule und Hochschule am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium fort.“

Ein Traum wurde wahr

… für diese 40 Abiturienten des Nikolaus Groß Abendgymnasiums.

Mut, Ausdauer und der Wille zum Erfolg wurden am Freitag, dem 10.1.03, mit der Überreichung der Abiturzeugnisse in der Aula des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums belohnt. Endlich konnten sie so richtig feiern und den Stress der Prüfungen hinter sich lassen.

Das Ziel haben sie während der zwei bis dreieinhalb Jahre in diesem Weiterbildungskolleg des Bistums Essen niemals aus den Augen verloren und sie haben in dem Streben, dieses Ziel motiviert und couragiert zu verfolgen, so Schulleiter Bernhard Nadorf in seiner Abiturrede, ihren persönlichen Traum realisiert. Studierende so unterschiedlich wie die Farben des Regenbogens sind zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen, die ihnen nach dem Abitur sicherlich fehlen wird, so die Kommentare der Studierenden. Ob z.B. als 25jähriger Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn, als 33jährige Krankenschwester, als 34jährige Altenpflegerin, als 37 jährige Hausfrau, als 46jähriger Hausmann oder als 61jährige Pensionärin – sie alle haben das Angebot des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums genutzt ,den Unterricht im Schichtsystem zu besuchen, was ihnen die Möglichkeit gab, ihre Zeit frei einzuteilen und den Unterricht im Wechsel morgens oder abends zu besuchen.

Und wie ist es ihnen ergangen während ihrer Schulzeit?

Rabea Kammler (30, 1 Kind) wollte endlich verwirklichen, was sie sich schon während ihres Tagesschulbesuchs erhofft hatte. Mit dem Abiturzeugnis hat sie sich die Perspektive, neben ihrem Teilzeitjob in der Bücherei im Fernstudium ihre Traumfächer Deutsch und Englisch zu studieren, eröffnet.

Maria-Elisabeth Stremmel (61) bedauerte schon immer, das Gymnasium in ihrer Jugend nicht beendet zu haben, wollte aber dann die Sicherheit ihres Jobs nicht aufgeben. Als Pensionärin erfüllt auch sie sich ihren Traum und studiert bereits Wirtschaftswissenschaften. Für sie war die Zeit am Abendgymnasium sehr anregend aber auch teilweise stressig; sie freut sich darüber, dass sie nur relativ wenige Misserfolge zu verzeichnen hatte.

Für Dino Errico (24) stand der Studienwunsch Medizin von vornherein fest und so arbeitete er auch sehr gezielt auf einen sehr guten Abischnitt hin, indem er freiwillig Ausarbeitungen übernahm und sich im Kurssystem auf die Fächer Bio, Mathe und Englisch spezialisierte. Auf die Frage, was er denn Negatives am Abendgymnasium erlebt habe, fiel ihm nur ein, dass ihm niemand genau sagen konnte, wie er seinen Abischnitt kalkulieren könnte. Gleichzeitig meinte er mit einer Portion Selbsterkenntnis, habe ihm das wahrscheinlich auch nichts geschadet, da er so bis zum Schluss um gute Noten gekämpft habe und nicht die Zügel bei Erreichen des für Medizin notwendigen Numerus Clausus von 1,9 locker gelassen habe.

Daniel Funke (25) arbeitet im Wechseldienst als Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn und kam zum Abendgymnasium, da bei der Bahn keine Weiterbildung angeboten wurde. Durch Zufall las er einen Artikel über das Nikolaus-Groß-Abendgymnasium, musste sich dann erst an den Gedanken gewöhnen, das Abitur nachzuholen. Jetzt strebt er ein Fernstudium auf kaufmännischer Basis an. Er fand es besonders positiv, viele Leute verschiedenen Alters kennen gelernt zu haben und interessante Lerninhalte vermittelt bekommen zu haben. „Ich werde die Zeit nicht missen, höchstens vermissen“, ist seine Überzeugung.

Claudia Meier (37, Hausfrau, 2 Kinder) ärgert sich darüber, dass sie knapp den Abischnitt von 1,0 verfehlt hat, aber den Stress einer Ergänzungsprüfung wollte sie sich dann doch ersparen und lieber die Weihnachtsferien mit ihrer Familie genießen, bevor sie in Essen das Studium der Germanistik und Kommunikationswissenschaften aufnimmt.

Täglich 110 km für den Fahrweg zum Abendgymnasium nahm Barbara Ackermann (42, 2 Kinder, Hausfrau), die in Alpen wohnt, in Kauf, um sich ihre Perspektive des Studiums der Sozial- und Heilpädagogik zu eröffnen. Für sie waren der Klassenverband und die familiäre Atmosphäre am Abendgymnasium immer besonders wichtig. Die Vorbereitungen für die Abiprüfungen zusammen mit 4 Mitstudierenden in den Herbstferien in einem Wohn-Container in Holland wird sie wohl nie vergessen, genauso wenig wie ihre Mitstudierenden. „Jenseits von Mann und Kindern hatten wir dort viel Spaß und die nötige Ruhe zum Lernen.“

Es ist nicht immer einfach, Familie, Job und Schule miteinander zu koordinieren – das bestreitet wohl niemand. Aber es lohnt sich.

Davon ist auch Rainer Lehmann (46, 1 Kind) überzeugt, der nach dem Verlust seines Geschäftsführerpostens als Hausmann die Gelegenheit zu einem Studium am Abendgymnasium nutzte, da er schon immer unbedingt seinen Dr. phil. machen wollte, was er jetzt durch ein Studium der Philosophie und Kulturwissenschaft auch verwirklichen kann. Er empfand die Zeit am Abendgymnasium als sehr bereichernd, wenn auch anstrengend, auf jeden Fall positiv und gut für die Stärkung des Selbstbewusstseins. „Trau dich“, rät er zukünftigen Studierenden.

Wie eng die Terminplanung manchmal sein kann, bestätigt Claudia Scheuermann (34, 1 Kind), die zwischen der schriftlichen und mündlichen Abiturprüfung ihr erstes Kind bekam. „Die Schule wird mir fehlen“, ist die Einschätzung der im Nachtdienst tätigen Altenpflegerin, die durch das Schichtunterrichtangebot Schule und Job „leicht“ verbunden hat. Besonders spannend fand sie die Bearbeitung von Goethes „Faust“, aber jetzt gönnt sie sich erst einmal nach all der Spannung und Anspannung eine Babypause.

Die privaten Interessen mit dem Besuch des Abendgymnasiums zu verknüpfen, hat auch Schalke-Fan Carsten Ahlers (26, Chemikant) geschafft. Die Möglichkeit morgens den Unterricht zu besuchen, führte dazu, dass er auch nicht ein einziges Schalke-Spiel am Abend verpassen musste. Während der Abiturfeier trug er selbstgedichtete Versionen von John Steinbecks ‚Of Mice and Men ‚ und Goethes ‚Faust‘ vor, die an Dr. Stratmann erinnern ließen, den wohl bekanntesten Absolventen des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums. Ob er einmal in die Fußstapfen seines Vorgängers Dr. Stratmann treten wird, wird sich zeigen – geplant ist jedenfalls ein Studium der Sonderpädagogik, zu dem er während seines Zivildienstes in einer Körperbehindertenschule angeregt wurde. Nach negativen Eindrücken befragt, schlug er vor ,doch einmal dringend den Sound in der Warteschleife des Schultelefons zu ändern, da dieses konservative Musikstück überhaupt nicht zu der eher lockeren Atmosphäre am Abendgymnasium passe.

„Mit 50 gibt man den Gedanken das Abitur nachzumachen auf“, so irrte sich Gerda Stauffenberg (53, Hausfrau, 2 Kinder). Einige Tage nach ihrem 50. Geburtstag ließ sie sich doch durch einen Artikel in der Zeitung dazu anregen, sich zu überwinden und sich am Abendgymnasium anzumelden. Durch positive Gespräche mit den Studierenden und den Lehrenden verlor sie dann auch schnell ihre Bedenken nach 35 Jahren noch einmal die Schulbank zu drücken. „Ich bin jeden Morgen gerne in die Schule gegangen“, ist ihr Fazit. Außerdem stellte sie im Vergleich mit den Lehrern ihrer Kinder fest, dass der Unterricht am Abendgymnasium sehr partnerschaftlich ablaufe und es kein Autoritätsgefälle gebe, sondern gegenseitiger Respekt das Lernklima präge. Einen neuen Traum gilt es jetzt zu verwirklichen: das Studium der Kommunikationswissenschaften.

Auch für Ursel Roszak (33, Krankenschwester) hat es sich „auf jeden Fall gelohnt“. Sie ist wirklich dankbar, dass sie so viel gelernt hat.

Und last but not least findet sich in diesem bunten Regenbogen von Studierenden auch Boris Becker (23) wieder, der genau wie sein berühmter Namensvetter auf der Suche nach Erfolg ist und auf diesem Wege am Abendgymnasium landete. Aufgewachsen in Singapoore, Hongkong, Tokio und Deutschland beschloss er nach seiner Tätigkeit als Zeitsoldat das Abi nachzumachen. Als Kosmopolit war er wohl eher mit anderen Gedanken beschäftigt und ist jetzt froh, die leidigen Abiturprüfungen hinter sich gebracht zu haben.

3 Monate zusammen in Hongkong zu verbringen, davon träumen er und sein Mitabiturient Dino Errico, der ihn bei seinen Prüfungen sehr unterstützt hat. Hätte er allerdings ohne Abi genauso viel Geld verdient wie sein berühmter Namensvetter, wäre dies auch in Ordnung gewesen.

So viele Studierende und so viele Pläne, die hier gar nicht alle genannt werden können.

Und wie sieht es auf der anderen Seite aus, der der Lehrerschaft? Diese bleibt mit gemischten Gefühlen am Abendgymnasium zurück, während die Abiturienten in die weite Welt hinausziehen, um sich den nächsten Traum zu verwirklichen. Einerseits herrscht Freude darüber, dass alle 40 Abiturienten sich ihren Traum vom Abitur verwirklichen konnten, andererseits stellt sich Wehmut ein, da diese nette und motivierte Abiturientia nun nicht mehr zum Unterricht kommt. Gespannt sind die Lehrer natürlich auch auf die neuen Studierenden, die den Platz im Unterricht einnehmen werden und deren Traumbegleiter sie sein dürfen. Allen gemeinsam gilt die Neugier auf das, was vor ihnen liegt.