Abiturzeugnis unter dem Weihnachtsbaum

Zentralabitur am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium erfolgreich absolviert

Die zentralen Abiturprüfungen haben die 48 Abiturientinnen und Abiturienten des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums erfolgreich abgelegt und am Freitag, 12.12.2008, ihren Abschluss gefeiert – mit einem Gesamtdurchschnitt von 2,54, der noch unter dem der Tagesgymnasien vom Mai 2008 (2,59) liegt.

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr – die Abiturprüfungen an den Schulen des zweiten Bildungsweges finden sowohl im Sommer als auch im Winter statt -zeigt die erfolgreiche Teilnahme der Lehrenden und Lernenden an den zentralen Prüfungsverfahren in eindrucksvoller Weise die Qualität der schulischen Arbeit am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium. Unter ungleich schwierigeren Voraussetzungen eines berufsbegleitenden Unterrichts zeigte sich die Gleichwertigkeit der Abschlüsse der Schulen des zweiten Bildungsweges und des ersten Bildungsweges in den Prüfungen im Zentralabitur.

Für die Abiturientinnen und Abiturienten des Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums bedeutet das Abiturzeugnis die Bestätigung Ihrer Leistungen und die Chance, durch ein Hochschulstudium ein Ziel zu verwirklichen, das sie zunächst weit entfernt glaubten. Stellvertretend für das gesamte Abitursemester wurden am Abend der Abiturfeier einige Abiturientinnen und Abiturienten interviewt.

Ladies first: Eine der Abiturientinnen, Melanie Bitter (24) verließ mit dem Abschluss der 9. Klasse das Tagesgymnasium, wurde dann medizinische Fachangestellte und besuchte seit 2005 das Abendgymnasium. Sie war zwar mit ihrem Job zufrieden, „wollte aber etwas bewegen und immer schon das Abi machen“. Jetzt möchte sie ein Studium im medizinischen Bereich beginnen – allerdings erst in einem Jahr: Zunächst freuen sie und ihr Mann sich auf die Geburt ihres ersten Kindes im Februar 2009. Hochschwanger hat sie die Abiturprüfungen erfolgreich mit einem Schnitt von 1,5 abgelegt! Besonders positiv bewertet sie die Möglichkeit der zeitlich flexiblen Teilnahme am Unterricht, die es ihr ermöglicht hat, zunächst einem Vollzeitjob nachzugehen und während ihrer Schwangerschaft in Teilzeit zu arbeiten und zusätzlich die Schule zu besuchen. Auch Michaele Gehrmann (40) bestätigt, dass es ein „erhabenes Gefühl“ sei, das Abiturzeugnis in der Hand zu halten. Als sie in der 8. Klasse des Tagesgymnasiums war, beschloss ihre Mutter, sie zur Hauptschule zu schicken, was sie negativ bewertet. Durch das nachträgliche Erreichen des Abiturs kann sie jetzt ihren Wunsch, Literaturgeschichte und Kunstgeschichte zu studieren, verwirklichen. Der Weg dorthin war nicht immer leicht. Sie arbeitet als Vollzeitkraft im Hotelbetrieb und hat außerdem 2 pubertierende Kinder (12,5 und 10,5 Jahre alt). „Zwischen Verstärker und Posaune lernte ich für die Bioklausur“, erinnert sie sich und sieht der Verwirklichung ihres Berufswunsches der Lektorin positiv entgegen: „Wenn ich das hier geschafft habe, schaffe ich das auch noch.“ Das Bewusstsein, eine besondere Leistung vollbracht zu haben, prägt alle Studierenden des Abiturjahrgangs. So auch Angelika Ulfat, mit 52 Jahren die älteste Studierende des Kurses. Zu Beginn dachte sie, man würde sie schon nach einer Woche nach Hause zurückschicken – weit gefehlt. Sie lernte zusammen mit anderen Studierenden, die im Durchschnitt das Alter ihrer Kinder hatten (ihre älteste Tochter ist 26) und schloss den Schulbesuch als eine der Besten mit 1,3 ab. Ihre Familie steht immer an erster Stelle – aber wenn man das Lernen bisher organisieren konnte, dürfte das nächste Ziel, das Studium der Religionswissenschaften und die Arbeit im christlich-islamischen Dialog, auch erreichbar sein, so hofft sie – was durch die bisherige Leistung sicherlich bestätigt wird. Ein Abiturient im Alter ihrer Kinder ist Thomas Metz (24), der Japanologie und Philosophie studieren und in 10 Jahren unbedingt einmal Einsicht in seine jetzigen Abiturklausuren nehmen möchte, von deren Ergebnis er ganz begeistert ist. Auch Matthias Jakob (32), dessen zweijähriger Sohn bei der Abiturfeier kurz dabei sein durfte, stellt das Angebot des zeitlich flexiblen Lernens und die besondere Unterstützung durch die Lehrer besonders hervor. Er strebt das Studium der Religionswissenschaften und Kommunikationswissenschaften an, mit der späteren Möglichkeit im journalistischen Bereich zu arbeiten. Zwei der Abiturienten standen noch unter einer besonderen Belastung, da sie vor dem Ablegen der Abiturprüfung bereits mit einem Studium angefangen hatten. Bartosz Adalbert Janas (27) ist seit Oktober Vollzeitstudent im Bereich Nano-Engineering und empfand die letzte Zeit bis zum Abitur in Kombination mit dem Studium doch als sehr stressig, den erhofften Notendurchschnitt von 1,0 hat er mit 1,3 zwar knapp verfehlt – aber die Leistung muss man erst einmal erbringen! Besonders positiv empfand er die Möglichkeit der flexiblen Zeiteinteilung – „zum Beispiel wenn man mal verschlafen hatte“. Stefan Loots (40), der zunächst die Hauptschule besuchte und eine Lehre als Elektriker machte, dann als Leiter einer EDV-Abteilung arbeitete, studiert bereits seit 2006 – nach dem Erreichen der Fachhochschulreife am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium – Physik und machte gleichzeitig das Abitur. Zeitweilig sah es so aus, als wenn das aufgrund der starken dreifachen Belastung durch eine selbstständige Tätigkeit, das Studium und den Schulbesuch zu stressig wurde, „aber es hat sich gelohnt“, so Herr Loots, der glücklich über seinen Abiturschnitt von 2,7 ist. Zusammen mit seiner Frau Melanie (26) besuchte er die Schule und machte gemeinsam mit ihr das Abitur. Die gegenseitige Unterstützung und die Unterstützung durch die Lehrer und Mitstudierenden waren beiden in dieser Zeit sehr wichtig. Die Äußerungen und Kommentare der Abiturientinnen und Abiturienten bestätigen, was der Leiter des Abendgymnasiums, Herr Bernhard Nadorf, in seiner Abiturrede ausdrückte. Alle haben eine Botschaft der Ermutigung erhalten und können ihre persönlichen Ziele realisieren ebenso wie die Werte, die sie an dieser Schule empfangen haben: Verantwortung zu übernehmen in Kirche und Gesellschaft.

Alle Lehrenden wünschen den Abiturienten, dass sie ihre Ziele verwirklichen können, sich ebenso wie die Lehrenden gerne an die Zeit am Nikolaus-Groß-Abendgymnasium zurückerinnern und den Kontakt aufrecht erhalten.

Wir hören oder lesen gerne etwas von den weiteren Herausforderungen in Ihrem Leben und hoffen, Sie alle spätestens auf dem nächsten Schulfest zum 50 -jährigen Schuljubiläum am 2. Oktober wieder zu sehen.

Angelika Hover
(Lehrerin des LK Deutsch, zusammen mit Frau Mergen Kursleiterin des Abitursemesters)