Projekt „Zeugen der Shoah“ am Abendgymnasium

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Das fünfte Semester und Dr. Katalin Morgan

In den vergangenen Wochen wurde ein Unterrichtsprojekt in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen im Nikolaus-Groß-Abendgymnasiums durchgeführt. Die Studierenden des fünften Semesters beschäftigten sich im Rahmen des Geschichtsunterrichts mit Zeitzeugenberichten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Das Projekt dient dazu, herauszufinden, inwieweit der Umgang mit modernen Lernmedien den Unterricht bereichert.

 

Das Projekt fokussiert sich auf Zeitzeugeninterviews, die die Verfolgung im Nationalsozialismus zum Thema haben. Mitte der Neunziger Jahre entstand auf Bestreben des Hollywood-Regisseurs Steven Spielberg ein Zeitzeugen-Archiv, in dem 52.000 Überlebende des Holocausts aus 56 verschiedenen Ländern zu ihren Erlebnissen befragt wurden. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat aus der großen Zahl an Befragungen 12 Gespräche ausgewählt und für unterrichtliche Zwecke unter dem Titel „Zeugen der Shoah“ aufbereitet. Neben den gekürzten Interviews findet sich ein enormer didaktischer Anhang, der eine interaktive Bearbeitung der Inhalte zulässt. So bekamen die Studierende einen ganz besonderen Einblick in den Alltag der Verfolgten und ihr Umgang mit den Ereignissen in späteren Zeiten.

 

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Das untersuchte Material

Betreut wurde das Projekt von Dr. Katalin Morgan, die den Umgang mit diesem Lernmedium erforscht. Sie ist Stipendiatin der Humboldt-Stiftung und arbeitet mit den Universitäten Duisburg-Essen sowie der Universität Köln zusammen. Im 18-monatigen Forschungszeitraum besucht sie verschiedene Schulen und Schulformen. In Anlehnung an ihre Doktorarbeit untersucht sie, wie die Studierenden auf die Zeitzeugeninterviews reagieren und wie Lehrerinnen und Lehrer das Material im Unterricht einsetzen. Die zuvor in Südafrika lebende Wissenschaftlerin begleitete den Kurs in beiden Schichten und befragte die Studierenden sowie die Lehrkraft im Hinblick auf das Material.

 

Dieses Projekt wirkt sich in verschiedener Hinsicht positiv auf den Unterricht aus. So bekommt die Fachschaft Geschichte die Möglichkeit, modernste Unterrichtsmethoden im Praxistest auszuprobieren und das Material für künftige Unterrichtsvorhaben einsetzen zu können. So bleiben der Austausch mit der Universität und die Umsetzung von neuen Ergebnissen der Unterrichtsforschung gewährleistet, die ein unverzichtbares Element für Schule sind. Außerdem stellt es für die Studierenden ein außergewöhnliches Lernerlebnis dar, das über die Erfahrungen des Regelunterrichts hinausgeht.

Besuch aus Brasilien

Im Rahmen der Misereor-Fastenaktion 2016, die unter dem Motto „Das Recht ströme wie Wasser“ steht, besuchte der brasilianische Padre Joao Carlos I. Portes das Nikolaus-Groß-Abendgymnasium. Portes ist Pater einer Gemeinde im Amazonas-Gebiet und stellte den Studierenden des Abendgymnasiums seinen Kampf für das Recht seiner Gemeindemitglieder vor. Das große Problem der Gemeinde sind die großen Konzerne Brasiliens, die große Staudammprojekte durchführen, um Energie zu gewinnen.

 

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Diese auf den ersten Blick sehr saubere Art der Energiegewinnung wirkt sich jedoch katastrophal auf die Natur und die Menschen, die dort wohnen aus. Die Bewohner des Flusses, an dem der Staudamm geplant ist, werden umgesiedelt. Darüber hinaus würde der gestaute See dafür sorgen, dass ein Teil des Regenwaldes unwiederbringlich verloren ginge und auch die dort lebenden Tiere überflutet werden.

 

Morgens und abends diskutierte Padre Joao Carlos mit den Studierenden über seine wichtige Arbeit. Im Anschluss feierten er und Seelsorger Michael Schwarzer einen Schulgottesdienst. Auch hier appellierte der Pater an alle Anwesenden über den Tellerrand der eigenen Region auf Brasilien zu schauen. Er selbst bewundere den deutschen Versuch der Energiewende, erklärte Portes, obwohl er in Deutschland bislang nicht viel Sonne gesehen habe, würde hier versucht, Sonnenenergie zu nutzen. In Brasilien aber, wo es Sonne und Wind massenhaft gäbe, wären diese Energiequellen überhaupt nicht populär.

 

Einmal mehr konnte ein Gast aus einem ganz anderen Teil der Welt eindrucksvoll auf bestehende Probleme hinweisen. Das Nikolaus-Groß-Abendgymnasium freut sich, dass es seinen Studierenden, diese besondere Erfahrung ermöglichen konnte.