10 Jahre nach Seligsprechung

Seligsprechung, Namengebung und das Jahr 2011 im Bistum Essen

In diesem Jahr feiern die Christen im Ruhrbistum und im Ruhrgebiet den 10. Jahrestag der Seligsprechung unseres Namenspatrons, des Seligen Nikolaus Groß. Als unser Bischöfliches Abendgymnasium am Abend des 25. Januar 1995 nach diesem Arbeiterführer, Widerstandskämpfer und Glaubenszeugen benannt wurde, hat Schulleiter Bernhard Nadorf in seiner Rede zur Namengebung u. a. folgendes ausgeführt:

„Liebe Festgemeinde: Wie Sie wissen, hat das Bistum Essen im Jahre 1988 den Canonisierungsprozeß für Nikolaus Gross eingeleitet. Wir betrachten es als unsere besondere Verpflichtung , in unseren Gemeinden und gemeinsam mit den Verbänden, insbesondere mit der katholischen Arbeiterbewegung, die so eindrucksvoll hier vertreten ist, dazu beizutragen, daß die Menschen in unserem Bistum und darüber hinaus im gesamten Ruhrgebiet erkennen, daß Männer wie Nikolaus Groß „Ehrenwert“ sind in der tiefen und ursprünglichen Bedeutung des Wortes.“

Bernhard Nadorf, 1995

Durch vielfältige Aktivitäten – Publikationen und Schulbücher, Abiturprüfungstexte, Veranstaltungen, durch liturgische Gewänder für den Gottesdienst und durch eine bundesweit einmalige Internetpräsentation in deutscher und englischer Sprache über Nikolaus und Elisabeth Groß hat unsere Schulgemeinde gemeinsam mit vielen Anderen im Ruhrbistum dazu beigetragen, dass aus dieser Ankündigung Realität geworden ist.

Unser Weg hat uns von der Alten Synagoge und der Aula der Schule am Abend des 25. Januar 1995 auf den Petersplatz nach Rom geführt, wo Papst Johannes Paul II – selbst ein Opfer des Nationalsozialismus – unseren Namenspatron am 07. Oktober 2001, einem strahlenden Sonntag Morgen zur Ehre der Altäre erhoben hat.

Für unsere Schule, für seine Studierenden und Lehrenden ist dies ein Traum, der wahr geworden ist: „A dream come true“.

Die Seligsprechung war jedoch nicht der Endpunkt, sondern der Ausgangspunkt für eine Verehrung, die immer wieder von den Menschen ausgeht und nicht von oben angeordnet wird. Noch in dieser Woche, am 22. Januar wird in St. Norbert Duisburg eine Gedenktafel geweiht – durch unseren ehemaligen Schulseelsorger Andreas Willenberg. Ich erinnere auch und vor allem an die Kapelle im Dom von Essen – rechts von der Goldenen Madonna und vom Hochaltar. Es ist die einzige Kapelle in einem deutschen Dom, die an den deutschen Widerstand gegen Hitler erinnert und unsere Schule in einzigartiger Weise mit der Kirche im Bistum Essen verbindet.

Das Glaubenszeugnis unseres Namengebers Nikolaus Groß ist uns allen auch in der heutigen Zeit Auftrag und Verpflichtung, sein geistiges Erbe zu bewahren und für die Würde des Menschen einzutreten. Damit verbindet sich der Bildungsauftrag des Nikolaus-Groß-Abendgymnasium mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, dessen erster Artikel tief in der christlichen Tradition dieses Landes wurzelt.

Und so stehen die Veranstaltungen in diesem Jahr, zu denen ich Sie alle sehr herzlich einlade, unter der Schirmherrschaft unseres Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, der damit als katholischer Christ aus dem Ruhrgebiet und als Präsident des deutschen Parlamentes das gesellschaftspolitische Engagement eines Mannes würdigt, der sich nicht in den Elfenbeinturm des Kirchturms zurückgezogen hat, sondern die Prinzipien der katholischen Soziallehre von Solidarität, Subsidiarität und Personalität gegen den Totalitarismus seiner Zeit vertreten und die Republik von Weimar konsequent und kompromißlos verteidigt hat. Durch die Hinrichtung am Galgen von Plötzensee ist er zum Märtyrer des Glaubens und zum Vorbild für viele Menschen geworden.

Nikolaus Groß ist einer von uns. Ein Bergarbeiter, der sich „von der Siebten Sohle bis zur Akropolis“ durch Abendkurse weitergebildet hat. Auf dieser Grundlage hat er sich für seine Mitmenschen eingesetzt. Sein unbedingter Wille zum sozialen Aufstieg, seine ethischen Maßstäbe, seine Zivilcourage im Widerstand gegen die teuflischen Mächte seiner Zeit, sein Eintreten für die Würde des Menschen und für seine christliche Glaubensüberzeugung machen ihn zum Patron der Weiterbildung und damit unseres Abendgymnasiums.

Wir betrachten daher die Namengebung unserer Schule als ein Privileg, als eine Auszeichnung und als eine Verpflichtung – in den vergangenen 16 Jahren, in diesem Jahr 2011 und auch in Zukunft.