Seelsorge im Wandel der Zeit

100 Jahre Franziskaner auf dem „Steeler Berg“

Halb zehn vormittags in Heilig Kreuz, die Lichter in der Kirche gehen aus. Der Gottesdienst ist vorbei und aus der Sakristei kommt Pater Christoph Höttges. Ein weisser Vollbart verdeckt das halbe Gesicht des Franziskanerpaters, der seit 16 Jahren Pfarrer in Essen ist. Seine blauen Augen leuchten, als er sein Büro betritt. Notizen, Briefe und Broschüren lassen das Büro beinahe platzen. „Bitte entschuldigen sie das Chaos. Hier ist erst vor kurzem eingebrochen worden.“ Mitten im Chaos liegt ein Schatz: Die Chronik der Essener Franziskaner.

Die Chronik weiss viel zu berichten – immerhin feiern die Franziskaner in diesen Tagen den 100. Geburtstag ihrer Niederlassung in Essen. Am 1. Mai 1904 bezogen die ersten franziskanischen Brüder das neu gegründete Kloster im Essener Südost-Viertel. Damals waren es vier Patres, die den Anfang wagten. Gesandt hatte sie der damalige Provinzial der Kölnschen Provinz, zu der das Essener Haus bis heute gehört. Seelsorge stand dabei von Anfang an im Mittelpunkt der Arbeit vor Ort. Betreut wurden vor allem polnische Gastarbeiter, bevor 1931 die eigene Pfarrei Heilig Kreuz errichtet wurde, die seitdem durchgehend von franziskanischen Pfarrern geleitet wird. Auch den zweiten Weltkrieg haben der Konvent und die Kirche überstanden. Weil die Bombenschäden vergleichsweise gering waren, konnte die Kirche in dieser schweren Zeit vielen Menschen ein Dach über dem Kopf geben.

1967 mussten die Franziskaner allerdings das eigene Domizil an Heilig Kreuz verlassen, weil mittlerweile das alte Kloster baufällig geworden war. Für 25 Jahre bezog die Gemeinschaft ein ehemaliges Kino an der Friedrich-Ebert-Straße. Das ehemalige Filmtheater war auch der erste Ort, an dem Pater Christoph lebte, als er 1988 nach Essen kam. Hier wurde eine Beichtkapelle besonderer Art geschaffen. „Die ehemalige Leinwand in der Kapelle war schon einzigartig“, weiss Pater Christoph zu berichten. 1991 war dann aber Schluß mit Beichte im Kinosaal und es ging zurück an alte Stelle. Auf dem Gelände des alten Klosters war inzwischen das Bischöfliche Abendgymnasium Nikolaus Groß errichtet worden, aber zwischen Kirche und Schule steht heute ein Gebäude mit großem Schild, das jeder von der Straße sieht: Das „Pfarrkloster“.

Im Pfarrkloster bündelt sich das Leben von Pfarre und Kloster, was in Heilig Kreuz nicht mehr zu trennen ist. Hier wohnt Pater Christoph als mittlerweile einziger Essener Franziskaner und hier engagiert er sich mutig in der Gemeindearbeit. Und nicht nur das: „Ich habe gelernt, mich über den Rand der Gemeinde hinauszulehnen.“

Konkret meint er damit seine eigene Mitarbeit in der Stadtteilkonferenz, die er auch moderiert, sowie seinen Einsatz bei einer Bürgerinitiative vor Ort, die versucht, die im Stadtteil lebenden Ausländer zu integrieren. Auch beim zweimal wöchentlichen Mittagstisch im Pfarrheim hat Pater Christoph alle Hebel in Bewegung gesetzt und mittlerweile arbeitet die Pfarre mit Caritas und der Essener Tafel zusammen. Nicht nur darum beschreibt der Pfarrer seine Gemeinde auch als „großes Ganzes“.

Deutlich wird die Offenheit des Franziskanerpaters und der Gemeinde auch in der Zusammenarbeit mit Christen aus dem Irak, den sogenannten Chaldäern. Ihre Essener Gemeinschaft ist die zweitgrößte in Deutschland und wächst stetig weiter. Sie brauchten daher ein Gotteshaus und haben mit der Gemeinde von Heilig Kreuz Menschen gefunden, die ihr Gotteshaus gerne regelmässig teilen. Hier sieht Pater Christoph auch Chancen für die Zukunft. Der Patriarch der Chaldäer in Bagdad schicke regelmässig Theologie-Studenten zur Ausbildung nach Deutschland. Zur Aufnahme dieser jungen Männer sei Heilig Kreuz mit seiner franziskanischen Struktur bestens geeignet.

Bei allen Aufgaben darf Pater Christoph einen Termin nicht vergessen: Am Sonntag, 2. Mai, kommt der Essener Bischof Dr. Felix Genn, um zum 100. Jubiläum einen feierlichen Gottesdienst zu feiern. Fest zugesagt haben für diesen Tag auch der Essener Oberbürgermeister und der Kölner Ordensprovinzial. Und beim anschließenden Festakt kann Pater Christoph dann das neueste Werk vorstellen: Die Festschrift zum Hundertjährigen. „Noch ist sie nicht ganz fertig“, sagt der Pater und zwinkert mit einem Auge. (ms)

Quelle: Bistum Essen (katholische-Kirche.de)